Sonntag, 19. November 2017

"Was wir dachten, was wir taten" von Lea-Lina Oppermann

Halli, hallo, hallöchen. Hier kommt mal wieder eine Rezi von einem Buch, dass ich unter normalen Umständen nicht gelesen hätte. Und ich hätte ganz klar was verpasst :)
Quelle: Goodreads.com
Ja, ich dachte auch... schon wieder so ein Amoklaufbuch.... Die brauchen scheinbar dringend aktuelle Schullektüren.... aber dieses Buch ist anders.
Warum?
Der Amokläufer, läuft gar nicht amok. Zumindest nicht klassisch.
Diese Geschichte schafft es mit einer klaren, flüssigen Sprache zu fesseln.
Und dabei ist die Autorin noch so jung.... Na ja, mich wundert jetzt eigentlich nicht, das junge Leute so gut schreiben können, sondern die Klarheit der Sprache, die einen so gut mitnimmt.
Also von vorne.
Wenn auf einmal der Amokalarm in der Schule losgeht.... naja, dann ist das evtl. wieder eine dieser Übungen.... Noch handeln die Schüler gewohnt widerwillig. Der Lehrer versucht Schema F abzuspulen... kann das aber nicht wirklich, weil die Amokschulung noch nicht stattgefunden hat...
Die Klassentür wird abgeschlossen und die Diskussion geht los, was gemacht wird.
Bei was sich die Jugendlichen sehr schnell einig sind? Der Test, den sie gerade geschrieben haben, der wandert jetzt in die Tonne.... Soweit noch alles typisch..... Wir blenden des Scheiß aus. Haben andere Probleme.....
Doch wie anders ihre Probleme wirklich sind, das kommt erst heraus, als der Amokläufer auf den Plan tritt.
Er schafft es in das Klassenzimmer und zerstört den Schließmechanismus. Sie sitzen alle fest....
Und jetzt beginnt die eigentliche Hölle.....
Die Außenwelt wird ausgeblendet, spot on:

Die Geschichte wird aus der Sicht des Lehrers, des Klassenassis und einer der Streberinnen erzählt. Sie bewegen sich alle außerhalb des "coolen" Kreises der Klasse. Die beiden Schüler zählen allerdings nicht komplett als Ausgestoßene. Man kommt so durch.... wird irgendwie doch akzeptiert.

Der Amokläufer zwingt den Lehrer Aufgaben vor zu lesen.... eigentlich relativ simple, zum Großteil,... aber mit diesen Aufgaben wird abgerechnet. Selbstbilder werden zerstört, die Fassade abgekratzt... Psychoterror...

Jetzt hoffe ich, dass ich nicht zu viel verraten habe. ;) Die verschiedenen Sichtweisen kommen gut rüber. Man fiebert mit. Versteht die Zurückhaltung, die Krisen, das komplette Gefühlsspektrum der Anwesenden.
Der Lehrer kommt sehr schlecht weg, in der ganzen Geschichte. Allerdings auch dies verständlich dargestellt. Der ist halt auch nur ein Mensch. Sympatisch ist allerdings anders.

Eine Geschichte über Teenie-Probleme, über Mobbing in verschiedensten Formen, über Klischees und Psychoterror.
Einige schreiben, das das Ende nicht gut ist. Ich finde schon. Anders hätte die Autorin das wirklich nicht lösen können.

Ich finde das Buch eignet sich sehr gut als Schullektüre. Es ist aus der Sicht einer Jugendlichen geschrieben. Bringt einige Themen mit, die sich sehr gut für die Diskussion in der Schule eignen und hat Tiefe. Allerdings sollte man vorsichtig sein. Dadurch, dass einen dieses Buch so sehr mitnimmt, und es doch ein paar krasse Stellen gibt, sollte man das nicht unkommentiert oder an zu junge Jugendliche weitergeben.

Auch privat ein Lesevergnügen ;)

Super gemacht Frau Oppermann :)

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