Freitag, 26. Januar 2018

Hundert Stunden Nacht von Anna Woltz

Quelle: goodreads.com
Mal wieder ein sehr gutes Buch, dass ich für die Arbeit gelesen habe. "Hundert Stunden Nacht" schafft es, dass man die Hauptpersonen einfach soooo lieb gewinnt, dass man selber gerne dabei wäre.
Emilia ist sauer!
Von ihren Mitschülern in der Schule und im Internet gemobbt will sie einfach nur weg!
Und das alles nur wegen ihrem Vater. Nur weil er Scheiße gebaut hat ist ihr Leben jetzt ein Scherbenhaufen.
Aber nicht mit ihr! Sie wandert aus!
Und ja, das macht sie auch.
Sie schnappt sich Daddys Kreditkarte, verbringt eine ganze Nacht mit der Recherche, wie man als 14 jährige auch ohne Begleitung eines Erwachsenen nach Amerika kommt und schon sitzt sie im Flieger nach New York.
Allerdings sollte man eines über Emilia wissen. Sie hat eine sogenannte Mysophobie, die Angst vor Schmutz und Bakterien. Sich mit irgendwas zu infizieren.... Das merkt man schon im Flugzeug, in dem sie sich nicht wirklich wohl fühlt, schließlich sitzt sie mit einer Menge Menschen auf engstem Raum und wir alle schleudern immer so viele Bakterien um uns herum.... abartig -,-
Mit ihrer Ankunft in New York beginnt das Chaos erst richtig.
Sie hat alles bis ins Detail geplant. Was sie bei der Einwanderungsbehörde sagen muss. Welche Unterlagen sie braucht. Das Rückflugticket, zur Tarnung, weil sie sie sonst nicht rein lassen und die Unterlagen für die Wohnung, in der sie für den "Urlaub" bleibt.....
Und dann... steht sie vor der Wohnung und diese entpuppt sich als ein Fake... Der junge Mann (Seth), der sie dort empfängt, hält sie erst für einen Verkupplungsversuch seiner kleinen Schwester (Abby). Er hat allerdings kaum Zeit mit ihr zu reden, da er auch schon weg muss. Seine kleinen Schwester sucht nämlich nicht nur für ihn einen Partner, sondern auch für ihre Mutter und trifft sich gerade mit einem Internetdate in der Stadt.... (Abby ist glaube ich 8 oder so ;P )
Nachdem sie bei dem Versuch in einem Hotel einzuchecken erfährt, dass man mit 14 Jahren kein Zimmer mieten kann, landet sie abends wieder vor Seths und Abbys Wohnung. Allerdings macht ihr keiner auf und sie stellt sich schon auf eine bitterkalte (es ist Winter) und einsame Nacht vor der Eingangstür ein. Doch es kommt anders. Der sturzbesoffene und schwer verletzte Jim fällt ihr quasi vor die Füße.
Der junge Mann wohnt nebenan und hat nach einem Krankenhausbesuchs wegen eines "Daumenunfalls" und der Mischung aus Medikamenten und Alkohol, den Hauseingang nicht mehr wirklich ansteuern können.
Sie hilft ihm auf seine Matratze zu kommen (mehr ist da auch nicht wirklich vorhanden) und beschließt über die Nacht dafür zu sorgen, dass er seine Medikamente nimmt.
Win, win sollte man denken.... allerdings befindet sich neben der ziemlich dreckigen Matratze noch sämtlicher anderer Müll in der Wohnung, den man sich so bei einem Singlemann vorstellt. Über bereits lebende Pizzareste bis zu Staubmäusen ist wohl alles vorhanden...

Nachdem sie die Nacht überlebt hat ohne sich mit einer tödlichen Krankheit anzustecken, trifft sie wieder auf Abby und Seth. Die kleine tut so, als hätte sie ihr Bruder an das Geländer vor der Haustür gekettet und nach einem netten Gespräch, beschließen sie Emilia aufzunehmen. Seth ist zwar nicht begeistert, will Emilia aber nicht wieder bei einem wild Fremden übernachten lassen. (Was für eine Ironie ;) )

Und dann, als die drei Emilias Koffer aus Jims Apartment holen wollen, bekommt die tapfere Emilia ihren ersten Nervenzusammenbruch. Denn Jim ist mittlerweile aufgewacht... Und weil er wissen wollte wer zum Teufel das Mädchen war, dass sich einfach selbst in seine Wohnung eingeladen hat, hat er kurzer Hand Emilias Kofferinhalt durchwühlt und dabei ihre Klamotten in seinem Chaos verteilt.

Achtung! Evtl. Spoiler Alarm.

Die Geschichte hat mich wahnsinnig amüsiert. Emilia, so tapfer wie sie auch sein mag, ist mit ihren Problemen schwer belastet, schlägt sich aber trotzdem immer wieder durch. Dabei kommt sie nicht übertrieben schlagfertig rüber. Ihre Phobie wird Stück für Stück bekämpft, wobei das so nebenbei geschieht, dass es richtig angenehm ist. Oft kommen solche Aspekte ja total prominent daher, damit wir auch alle gleich merken, dass die Gute ihre Probleme bekämpft und überwindet, aber in dieser Geschichte geschieht das ohne Zeigefinger.
Sie überwindet auch nicht gleich all ihre Probleme und bleibt glaubwürdig bei allem was sie tut. Auch Seth ist ein besonderer Charakter. Er ist sehr schüchtern und in sich gekehrt, wird dabei aber immer wieder von seiner kleinen Schwester ins Licht gezerrt, denn Abby ist das totale Gegenteil. Aufgeschlossen und neugierig macht sie immer zwei Schritte vorwärts während er innehält.
Die Beiden haben ihren Vater verloren und ihre Mutter arbeitet außerhalb der Stadt und kommt daher manchmal nicht nach Hause.
Und Jim ist kein Säufer sondern ein hübscher junger Mann, der von seinen überreligiösen Eltern abgehauen ist um der Gesellschaft zu entfliehen. Er schwingt Reden über die Abgründe des Kapitalismus und man erfährt, das seine Eltern keine Arbeit haben und er daher der trübsinnigen Atmosphäre seiner Heimat entfliehen wollte.
Alle haben sie ihr Päckchen zu tragen und all das kommt heraus, als der Sturm "Sandy" auf New York trifft und das ganze Viertel lahm legt. Denn Abby beschließt, dass sie ein Sturmasyl aufmachen und der halb tote Junge von nebenan natürlich auch dazu gehört.

Spoiler Ende!

Besonders fasziniert an der Geschichte hat mich, dass man so viele schwierige Themen findet, aber keine Sekunde den Eindruck hat, dass einem dass extra vorgesetzt wird. Wie oft hat man das Gefühl, dass ein Buch für den Schulunterricht geschrieben wurde, weil ein bestimmtes Thema musterbeispielhaft behandelt und evtl. sogar gelöst wird.
Das passiert einem hier nicht. Die Probleme machen die Charaktere sehr sympatisch und auch die Lösungen kommen nicht plump daher. Auch wenn es eigentlich immer gut ausgeht, stört einen das nicht und es wirkt nicht kitschig.
Einfach sehr gut geschrieben.
Und der subtile Humor hat meinen Geschmack auch definitiv getroffen.

Fazit:
Eine schöne Geschichte über verschiedenste Probleme, kleine Höhen und Tiefen im Leben mit einer guten Prise Humor. Lässt sich super leicht und schnell lesen und ist definitiv die Zeit wert ;)

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