Donnerstag, 22. August 2019

"Wenn Worte meine Waffe wären" von Kristina Aamand


Quelle: Goodreads
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Mit "Wenn Worte meine Waffe wären" hat es Kristina Aamand meiner Meinung nach geschafft die Situation einer jungen Frau zu schildern, die sich als Muslimin in einem hauptsächlich muslimisch geprägten Umfeld, in einem westlichen Land wie Dänemark befindet. Der Druck, der auf Sheherazade lastet kommt nicht nur aus ihrer Kultur. In der Schule wird immer wieder auf ihrem Anderssein rumgeritten. Weil wegen ihr Ausnahmen gemacht werden, wird sie ständig als Grund für eine Religionsdiskussion genutzt. She trägt nämlich auch Kopftuch und darf im Landschulheim nicht mit den Jungs in ein Zimmer.
Das geht ihr verständlicher weise tierisch auf den Geist. Leider geht es ihr zu Hause nicht besser. Sie selbst ist nämlich eigentlich sehr liberal eingestellt und stört sich an einigen Dingen in ihrer Nachbarschaft. Zum Beispiel, dass die Frau nur etwas wert zu sein scheint, wenn sie ihre Familie stolz macht. Und das hier das einzige Ziel ist, dass sie einen guten Mann heiratet und so viele Kinder wie möglich bekommt. Und das dieses Leben natürlich auch nicht das rosigste ist, aber niemand darüber spricht.
Häusliche Gewalt und Unterdrückung sind für sie kein Fremdwort. Alle wissen es, keiner spricht darüber.... Ihre eigene Familie hat auch genug Probleme. Als Kriegsflüchtlinge, hat ihr Vater ein schlimmes Trauma. Er ist instabil und rastet öfter aus. Ihre Mutter flüchtet sich in den vermeintlichen Schutz der Nachbarschaft, die mit ihren strengen Wertvorstellungen einen Halt bietet.
Bei all diesen Problemen kommt erschwerend hinzu, dass ihr Vater Herzprobleme hat und nun im Krankenhaus ist. Jetzt sind Sheherazade und ihre Mutter alleine zu Hause. Die einzigen Ausflüge die die zwei machen, sind die ins Krankenhaus...... Bis She dort Thea trifft.... und sich ihr Leben langsam aber sicher ändert.

Ich finde dieses Buch wirklich sehr gut geschrieben. Auch als Außenstehende hat man das Gefühl, sehr wohl zu verstehen wie schwer es Sheherazade fällt mit ihrer Situation umzugehen. Ständig zwischen zwei Welten festzuhängen, in denen man zu Hause ist. Die Eine, total liberal, die Andere sehr konventionell. Und dann wird ihr allmählich auch noch klar, dass sie anders ist und das in ihrer Kultur absolut nicht akzeptiert wird.
Aber dieses Buch besteht nicht nur aus gehobenen Fingern. Ich hatte durchaus das Gefühl irgendwie zu verstehen, warum man nicht einfach abhaut.... Oder sagt was man denkt.... Das es auch für Betroffene lächerlich erscheinen mag, wenn dann ein westlich erzogener Mensch daher kommt und helfen will. Besonders wenn diese immer wieder Kritik an der eigenen Kultur üben.
Ja, sie weiß auch das das nicht in Ordnung ist. Die Unterdrückung und Gewalt. Aber manche Dinge, wie ihr Kopftuch, sind nicht gleichzeitig ein Anzeichen dafür. She reagiert oft etwas zickig, wenn ihre westlichen Freundinnen Kritik üben. Und ich finde das völlig ok. So muss es einem gehen, wenn man in einer Kultur aufwächst, die sicherlich ihre Fehler hat, und jetzt auf einmal komplett verurteilt wird..... Es ist trotzdem die Heimat. Da hat man das Bedürfnis klar zustellen, dass nicht alles schlecht ist. Das geht uns schließlich auch nicht anders, wenn wir mal ehrlich sind. Wir haben einige Freiheiten aber unsere Kultur und Gesellschaft ist weit entfernt von perfekt.

Das Ende geht für meinen Geschmack etwas zu glimpflich für sie aus. Nein, es ist kein komplettes Happy End, aber doch meiner Meinung nach ein sehr gutes.... Wenn man die Ausgangssituation bedenkt. Trotzdem für einen Jugendroman total angemessen.

Für mich ein sehr gut gelungener Roman über muslimische Frauen, deren Probleme in einer streng gläubigen Umgebung, einer westlichen Gesellschaft und generell mit ihrer Sexualität. Egal ob homosexuell oder nicht. Positiv finde ich auch, das die Autorin mit ihrem muslimischen Vater und ihrer katholischen Mutter aufgewachsen ist, was ihr sicherlich das Einfühlen in beide Welten ermöglicht hat.
Wer sich für dieses Thema interessiert darf hier gerne zugreifen.

Dienstag, 23. Juli 2019

"Die Töchter von Ilian" von Jenny-Mai Nuyen

Quelle: Goodreads.com
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Mit freundlicher Unterstützung vom Fischer-Verlag, von dem ich das Buch bekommen habe.

Dieses Buch hinterlässt mich irgendwie etwas rätselnd. Ich kann euch nicht genau sagen, wie ich mich fühle. Irgendwie ein bisschen leer. Ich versuche mal es euch zu beschreiben....

Zur Vorgeschichte muss man sagen, dass ich mich total gefreut habe..... O MEIN GOTT..... Endlich ein neues Buch von Jenny-Mai Nuyen, wie habe ich ihre Jugendbücher gemocht. Gerade weil sie eben auch nicht immer das lang ersehnte Happy End brachten, sondern einen echt auch am Ende mal hängen gelassen haben. Lesen ließen die sich super, also her damit.
Außerdem hatten wir die Autorin auch mal live und in Farbe bei uns in der Bibliothek. Und sie war echt toll.... Also hier so eine kleine Fan-Sache am laufen...
Jetzt kommt der erste High-Fantasy-Roman von ihr..... uuuuuu spannend. Und dann kommt das gute Stück per Post.... und es ist soooooo ein Wälzer.
Ich habe ewig gebraucht. Nach diversen Pausen, bin ich daher nicht so richtig sicher, wie ich das Buch bewerten soll. Denn ich war oft richtig raus, aus der Story. Trotzdem ist es mir immer wieder sehr leicht gefallen rein zu kommen..... Und da ist dann halt wieder die tolle Schreibweise von Jenny-Mai Nuyen der Grund. Es fiel einfach leicht sich alle Zusammenhänge zu merken. Trotz High-Fantasy schafft sie es, sich nicht in hunderttausend Charakteren zu verlieren. Zumindest fühlt es sich nicht so an. Ich weiß bei 95% noch genau wer sie waren, wohin sie gehören und wie ihr Werdegang war.... und das muss man als Autor erstmal schaffen. Außerdem konnte ich mir gefühlt zum ersten mal bei einem Fantasybuch merken, wie die Karte aussieht..... weil sie sehr einfach gehalten ist. Nicht das man das unbedingt braucht, es gibt ja die Karte vorne, aber trotzdem ist mir das positiv aufgefallen.


Die Hauptcharaktere sind extrem vielschichtig. So wie man sich das bei einem High-Fantasy-Roman halt vorstellt. Sie wandeln sich... auch nicht grundsätzlich positiv.... und, was mir sehr wichtig ist, man konnte die Story nicht vorhersehen.

Allerdings habe ich trotzdem das Gefühl, das am Ende ein wenig die Zeit verloren ging. Und auch wenn ich total begeistert bin, dass dieses Buch ein Einteiler ist (danke nochmal dafür), hat man das am Ende echt ein bisschen gemerkt.

Das Buch hat einige große Besonderheiten, die ich so auch noch nicht so oft in einem Buch gefunden habe... manche sogar noch nie:
Zwerge sind hier genauso groß wie Elfen und Menschen. Zumindest unterscheiden sie sich physikalisch nicht besonders von den anderen Rassen.
Die Zwerge sind die mächtigste Rasse in dieser Welt..... auch neu, finde ich.
Und, die beiden Hauptcharaktere, aus deren Sichtweise Jenny-Mai-Nuyen abwechselnd schreibt, sind was ihre Sexualität bzw. sexuelle Neigung angeht auch nicht Standard.

Eigentlich kein SPOILER ANFANG, weil es am Anfang der Geschichte schon vorkommt aber trotzdem.... wer sich diese Spannung nicht nehmen lassen will..... schaut jetzt kurz weg.
Walgreta, die Zwergin, verliebt sich erst in Fayanu, der ist ein Mann, gefangen in einem Frauenkörper und dann in ihren zukünftigen Mann.... Bin etwas verwirrt was das dann für sie heißt. Aber wahrscheinlich ist sie Heterosexuell.... Ist mir gerade erst aufgegangen, dass das doch relativ normal ist. Sie hat auch Sex mit beiden. Für Fayanu bringt seine Situation allerdings alle Probleme mit sich, die er/sie so haben kann. Von Vergewaltigungen über Misshandlungen, etc. Und das dann als Mann im Frauenkörper.... ich will nicht sagen "noch" schlimmer aber ich glaube ihr wisst was ich meine.... Irgendwie doppelt missbraucht dann.....
SPOILER ENDE

Mein Lieblingscharakter ist allerdings Rhiannon.... Er ist ein Mensch und mausert sich zum Chef eines Reiterclans. Fragt nicht wie. Regeln sind überbewertet..... Und er ist genauso, wie man sich ihn vorstellt..... Auch wenn ich finde, dass er keine große Charakterentwicklung durchmacht, weil er schon sehr genau weiß was er will, hat er mich doch sehr berührt. So wie er Walgreta unterstützt, gegen seine Stammestraditionen und damit zum Teil auch gegen seine eigenen Leute..... fand ich einfach schön.
SPOILER ANFANG
Allerdings weiß ich jetzt nicht, ob das daran liegt, dass er unter einem Liebeszauber liegt oder nicht. Bin mir immer noch nicht sicher, ob ich glauben soll, dass er sie nur deshalb liebt..... Scheinbar glaub ichs einfach nicht ;)
SPOILER ENDE


Naja, wer High-Fantasy gerne liest, und für neue Sichtweisen offen ist, der kann sich das Buch wirklich mal zu Gemüte führen. Ob Männer so tief in die weibliche Seele abtauchen wollen, weiß ich nicht.... Manchmal finde ich das schon ein bisschen harten Tobak, besonders wenn es um Fayanu (ich weiß, eigentlich ein Mann..... aber er hat Frauenprobleme) geht. Hier tun sich doch einige Abgründe auf.... Wer auf ein Happy End steht.... kann dieses Buch nur bedingt lesen. Wer die komplette rosa Färbung möchte, lässt besser die Finger davon. Es ist halt ein relativ typischer Nuyen, sie hat das schon öfter gemacht.... Es ist irgendwie halboffen, das Ende..... Man kann sich vielleicht noch das Traumende denken, wenn man will. ;)

Grundsätzlich fand ich das Buch gut. Die Charaktere sind sehr tief und vielschichtig beschrieben. Fayanu hat mich persönlich einfach nicht richtig mitgenommen. Und das ist eigentlich die große Tragik für mich, denn das ist der interessanteste Charakter. Aber in dem Moment wo er alleine unterwegs ist, hat er mich irgendwie verlassen..... Zumindest nach dem ersten Unglück, das hat mich selbstverständlich noch richtig mitgenommen....
Walgretas Entwicklung gegen Ende ist auch ein wenig komisch..... Hach, das ist so schwierig zu erklären....
SPOILER ANFANG
Ihre Handlungen werden so verdammt agressiv und rücksichtslos, aber das kommt alles einfach nicht richtig rüber. Der Schock über ihre Taten, den man spüren müsste, der war einfach nicht wirklich da....
SPOILER ENDE
Für so zwei tolle Charaktere, die mit einer super Mission starten.... geht so viel in die falsche Richtung.....

Aber eins kann ich euch sagen, wenn ihr jemanden trefft, der dieses Buch auch gelesen hat.... ihr werdet Stoff für gefühlt jahrelange Diskussionen haben. :) Und das meine ich sehr positiv!
Also final, Daumen hoch für Jenny-Mai-Nuyen, die sich mit diesem Buch auf ein Neuland gewagt hat und es auch schafft das ganze glaubhaft rüber zubringen und die Story durch zuziehen. Ich habe ein bisschen Probleme gegen Ende... aber für den ersten Roman in dieser Form, top. Vielen Dank. 💕

#fischerleseclub #fischerverlag #jennymainuyen #fischertor

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