Mittwoch, 21. Februar 2018

Lieber Daddy Long Legs von Jean Webster

Quelle: goodreads.com
Judy (Jerusha Abbot), ist ein Waisenkind und hat ihre 16 Lebensjahre im Heim verbracht. Doch dann ändert sich alles, denn ein von ihr veröffentlichter Aufsatz über ihr Leben im Heim (sie ist sehr ehrlich aber auf eine naive, lustige Weise) erweckt die Aufmerksamkeit von einem der zahlreichen Gönner der Einrichtung. Er beschließt ihr Studium zu finanzieren (denn sie soll Schriftstellerin werden) und sie mit einem Taschengeld zu unterstützen. Einzige Voraussetzung: sie muss ihm einmal im Monat schreiben, darf nicht mit einer Antwort rechnen und nicht wissen wer ihr Gönner ist. Anreden soll sie ihn mit Mr. Smith, doch da Judy glaubt ihn beim verlassen des Waisenhauses kurz im Gegenlicht gesehen zu haben, beschließt sie ihn Daddy-Long-Legs zu nennen.
Es folgt der Hauptteil des Buches, in dem in Briefform weitergemacht wird. Judy schreibt halbe Romane. Sie erzählt Daddy von ihrer Zeit im College, in dem sie wohnt und so einiges erlebt. Sie erklärt ihn zu seiner Familie und bringt ihn sogar so weit, dass er ihr manchmal Anweisungen von seinem Sekretär mitteilen lässt (eigentlich will er ja ein stiller gönner sein).
Die Berichte erstrecken sich über ihre ganze College-Zeit und werden am interessantesten wenn es darum geht, wo sie ihre Ferien verbringt. Denn nachdem sie ihr erstes Weihnachten im Wohnheim geblieben ist, bekommt sie von Daddy Aufenthalte auf einer Farm organisiert.
Langsam aber sicher wird Judy reifer und stellt auch mal die Anweisungen ihres Gönners in Frage. Ja, sie tut auch mal Dinge, von denen er ihr abrät und entschuldigt sich zwar in ihren Briefen immer wieder, erklärt aber auch immer warum sie es trotzdem tun musste.
Mit der Zeit wird immer klarer, wer tatsächlich hinter Daddy Long Legs steckt, doch Judy fällt das bis zum bitteren Ende nicht auf.

Der Roman ist ursprünglich aus dem Jahr 1912 und das sollte man definitiv wissen, bevor man sich dranmacht, denn er entspricht nicht dem, was Jugendliche heute so gewohnt sind. Er beschreibt die Gesellschaft zu der Zeit, auf was damals geachtet wurde und wie ein junges Mädchen ohne Familie sich durch ihre Jugend schlägt. Jerusha hatte dabei Glück, denn endlich darf sie sich auch tatsächlich Dinge leisten. Dabei merkt man wie sie sich immer öfter etwas gönnt, anfangs noch zögerlich, danach selbstbewusster. Ihr wurden quasi die Flügel gegeben und jetzt lernt sie fliegen.

Ich liebe diese Art von Romanen. Da ich mich eh für die englischsprachige Literatur um 1800 - 1900 interessiere, fällt das hier wieder ganz in meinen Geschmack. Fast schon ein bisschen zu "neu" für mich aber vom Stil her erinnert es mich an "Anne of Green Gables" von Lucy Maud Montgommery. Und ich liebe Anne :)
Die Autorin schreibt so sympatisch über dieses Mädchen, dass ihr Leben endlich leben kann und so viel Humor und Herz besitzt, dass sie mir gleich an meines gewachsen ist.
Für mich hätte es wie am Anfang auch gerne am Ende einen Part geben dürfen, indem uns ein kleiner Ausblick auf Judys späteres Leben gegeben wird, was leider nicht der Fall ist. Trotzdem bin ich mit dem "Happy End" zufrieden, wir besitzen ja alle genügend Fantasie. Vielleicht ist es ja auch ganz gut so, denn das ist ja so ein klassischer "Backfischroman" und der lebt einfach von der jugendlichen Atmosphäre..... oder so.

Wie dem auch sei. Ich habe es sehr genossen und kann es jedem der, "Anne of Green Gables", "Little Women" (zu deutsch Betty und ihre Schwestern) und die Romane der Brontés und von Jane Austens, mag, nur empfehlen.

P.S.:
Allerdings noch einen ticken besser finde ich "Das Schloss in den Wolken" von Lucy Maude Montgomery. ;)
Und ist das Cover von den Königskindern nicht wieder super schön geworden? 😍
Und mir fällt mal wieder auf wie schrecklich es ist, wenn ein Titel manchmal korrekt übersetzt wird. Danke liebe Königskinder, dass ihr den Roman nicht Daddy Langbein oder Vati Langbein genannt habt.

Kommentare:

  1. Ich mochte Daddy Long Legs auch unglaublich gerne und freue mich schon seit Monaten auf die Fortsetzung, die diese Woche erscheint. #endlichhatdaswarteneinende

    PS: Du hast vollkommen recht: Die Cover des Königskinderverlags sind unschlagbar schön! <3

    Viele LG und einen schönen Leseabend! :)
    Nana

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    1. Liebe Nana,

      das klingt nach einer Seelenverwandten. ^^
      Danke dass du mich auf die Fortsetzung aufmerksam gemacht hast. Das ist total an mir vorbei gegangen. "Lieber Feind" kommt sofort auf meine "to read-Liste".

      Danke und ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen,
      Diana

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