Sonntag, 11. April 2021

"Rules for Being a Girl" von Candace Bushnell

 

Quelle: Goodreads.com
Der Titel ist Programm in diesem Buch. Also hab ich es gehört ohne viel zu erwarten. Ja, amerikanischer Teenie, klassisch, Freund ist im Sportteam.... So... Eigentlich hatte ich auch erwartet, dass mir die Protagonistin relativ egal ist..... Aber sie wächst einem doch ans Herz.

Marin hat sich nie als Rebellin gesehen. Sie ist ein normales Teenage-Mädchen.... na ja, seit einem Jahr mit ihrem Freund zusammen zu sein und ihn immernoch auf Abstand zu halten ist jetzt nicht unbedingt normal aber auch nicht abnormal.... Ihr fehlt da scheinbar einfach noch was. Aber greifen kann sie es nicht. Sie ist in Englisch sehr gut und schreibt für die Schülerzeitung. Gute Noten, alles im Grünen Bereich.
Sie geht mit ihrer besten Freundin und ihrem Freund auf die gleiche Schule. Sie ist relativ beliebt. Kein Außenseiter, keine Ballkönigin. Und sie schwärmt wie fast alle Mädchen auf der Schule für ihren Englischlehrer Mr. Bescket, den alle nur "Becks" nennen, und das auch dürfen. Der Mann gibt sich lässig und ist sogar bei den Jungs beliebt.

Es fängt ganz harmlos damit an, dass an der Schule die Kleiderordnung verschärft wird. Mädchen dürfen jetzt keine Kniestrümpfe mehr tragen. Hier wird Marin zum ersten mal bewusst, dass das ungerecht ist. Mädchen müssen sich streng an alles halten, sonst werden sie zum Teil vor der ganzen Schule ermahnt. Jungs können quasi fast rumlaufen wie sie wollen, da sagt niemand was.
Wäre das allerdings alles gewesen, wäre das Buch bei mir sicher nicht so hoch im Kurs. Ganz davon abgesehen, dass das Marin nicht unbedingt stört.

Alles verändert sich an dem Tag, an dem Marin mit Becks nach Hause fährt... Es ist nicht das erste Mal, dass er sie nach Hause bringt. Einmal hat er sie schon gefahren, weil sie ziemlich lange nicht abgeholt wurde. Dieses Mal ist es aber anders. Da er ihr schon immer mal ein Buch ausleihen wollte, das aber bisher immer vergessen hat, bietet er ihr an kurz bei sich zu halten und das Buch zu holen, damit sie es "endlich" lesen kann. Soweit so logisch, so gut. Dort angekommen fragt er sie, ob sie etwas bei ihm essen möchte, da er auch Hunger hätte. So bekommt er sie in seine Wohnung.... Und dann nähert er sich ihr und küsst sie. Etwas perplex wimmelt sie ihn ab und lässt sich nach Hause bringen. 

Die Fahrt ist der Horror, da sie sich absolut unwohl fühlt. Je länger sie darüber nachdenkt, je schlechter geht es ihr.

Damit nimmt alles seinen Lauf. Ihre Freundin, die sie als erstes ins Vertrauen zieht reagiert sehr abweisend und distanziert sich immer mehr von ihr. Anfangs versucht sie ihr sogar einzureden, dass das gar nichts schlimmes war. Ihr Freund geht auch nicht wirklich auf ihr Problem ein. Das muss bestimmt ein Missverständnis gewesen sein. 

Je mehr sie sich missverstanden fühlt, je mehr Widerwille baut sich in ihr auf.
Sie schreibt "Rules for Being a Girl" für die Schülerzeitung. Eine richtig gute Geschichte über die Doppelstandards die für Mädchen und Frauen gelten, wie sie zum Beispiel nicht zu sexy aber auch nicht prüde sein sollen etc. Der Artikel wird nicht gedruckt. Letztendlich scheitert es daran, dass Becks der verantwortliche Lehrer ist. Aber auch der Rektor, an den sie sich wendet, schmettert ihn ab. Kein Wunder, kritisiert sie ja unter anderem seine Kleiderordnung.

Nach einiger Zeit geht Marin wegen "Becks" zum Rektor und meldet den Vorfall.... und dann wird es für sie erst so richtig ungemütlich. Die ganze Schule ist gegen sie...

Am Anfang des Buches fand ich Marin sehr langweilig und naiv. Es kam einem so vor, als hätte sie da nicht wirklich ein großes Problem. Die Autorin schafft es allerdings, dem Leser mit der Zeit klar zu machen, wie es sich anfühlt, wenn man sexuell belästigt wird und dass es nicht heißen muss, dass ein Mädchen, dass von Ferne auf seinen Lehrer steht, auch mit ihm zusammen sein will. Das viele die Schwere solcher Taten gar nicht begreifen können oder wollen, und was das mit dem Opfer macht... Marin wird eigentlich sehr stark dargestellt, ihr geht es erst relativ spät so schlecht, dass sie nicht mehr rausgehen möchte. Das hätte viel früher passieren können.

Kurzes Fazit. Das Buch beginnt langsam, nimmt dann fahrt auf und wird am Ende richtig gut. Ich kann es jedem empfehlen, der sich in Richtung Emanzipation und "Me too" interessiert.

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